Interview

HIDALGO: Diesmal wurden wir selbst interviewt, und zwar vom Pferdeflüsterer.

HIDALGO: Gehen wir den Lederbaumsattel Schicht für Schicht durch: Worin unterscheidet sich ein Lederbaumsattel von einem traditionellen Baumsattel?

Der Sattelbaum eines traditionellen Sattels besteht im Inneren aus Holz oder festem Kunststoff. Dieser ist formstabil und in der Regel weder längs noch quer flexibel. Der Lederbaum hingegen ist, wie der Name schon sagt, aus Leder gefertigt. Gehärtetes Leder ist ebenfalls formstabil, passt sich aber durch verschiedene Faktoren wie Körperwärme und Bewegung an. Das bedeutet, dass sich der Baum sowohl längs als auch quer bewegt und sich mit jeder Bewegung dreidimensional anpasst, wodurch er sich mit der Zeit perfekt an den Pferderücken anschmiegt.


Worin besteht der Unterschied zwischen einem Sattel mit Lederbaum und einem baumlosen Sattel?

Bei einem baumlosen Sattel gibt es im Inneren überhaupt keinen Sattelbaum. Diese Sättel bestehen üblicherweise aus mehreren Schaumstoffschichten. Sie sitzen oft eher weich und breit, was bei Sätteln mit Lederbaum nicht der Fall ist.


Kann ich mit einem Lederbaumsattel alles machen, genau wie mit jedem anderen traditionellen Baumsattel? Lange Ausritte? Springen? Oder gibt es Einschränkungen?

Absolut, alles! Mit einem Sattel mit Lederbaum ist alles möglich. Die Hilfen kommen deutlicher und schneller beim Pferd an, und es bewegt sich viel freier, da kein starrer Sattelbaum und kein Kopfeisen die Bewegungsfreiheit einschränken. Wir haben unsere Sättel mit Lederbaum erfolgreich auf zahlreichen Reitwegen getestet, sogar in den Bergen.


Viele Reiter haben Respekt vor flexiblen Sattelbäumen, weil sie Druckspitzen beim Reiten befürchten: Gibt es Druckmessungen für Ihre Sättel mit Lederbaum? Wenn ja, wie lauten die Ergebnisse?

Ja, das stimmt. Solche Vorurteile hört man häufig. Wir haben Kollegen, die die Passform von Sätteln mittels Thermografie überprüfen. Dabei hat sich gezeigt, dass ein Ledersattel den Druck deutlich gleichmäßiger verteilt als ein herkömmlicher Sattelbaum. Außerdem ist der Wirbelsäulenkanal bei den meisten herkömmlichen Sätteln schlichtweg zu eng, was dem Pferd Probleme bereiten kann, da die Kissen oft direkt auf die Dornfortsätze und die Wirbelsäule drücken.


Es gibt gelegentlich Kritik daran, dass sich Ledersättel in der Mitte aufgrund des Gewichts des Reiters zu stark durchbiegen – was sagen Druckmessungen dazu aus?

Wie bereits erwähnt, war die Druckmessung bei einem Sattel mit Lederbaum deutlich besser als bei einem herkömmlichen Sattel. Ich hatte keinerlei Probleme mit Durchbiegung in der Mitte. Uns ist kein Hidalgo-Sattel bekannt, der diesbezüglich Probleme verursacht.


Gibt es anatomische Grenzen? Funktioniert es beispielsweise auch bei einem Pferd mit hohem Widerrist?

Es hängt immer ein wenig vom Budget des Reiters und der Modellreihe der Hidalgo-Sättel ab, aber in den Sonderserien von Hidalgo sind den Möglichkeiten keine Grenzen gesetzt. Selbst Pferde mit sehr kurzem Rücken und hohem Widerrist stellen kein Problem dar.


Wie sieht es mit Pferderassen mit besonderen Bedürfnissen aus, wie zum Beispiel Islandpferden oder Kaltblütern?

Auch diese Pferde bereiten in der Regel keine Probleme. Solange Pferd und Reiter einigermaßen harmonieren und das Budget es zulässt, lässt sich immer eine passende Lösung finden. Gerade in schwierigen Fällen sind wir oft die letzte Anlaufstelle, wo sich die Dinge dann doch noch zum Guten wenden.


Passt ein Sattel mit Lederbaum also auf jedes Pferd, oder gibt es bestimmte Pferdetypen oder Rückenformen, für die er nicht geeignet ist?

Uns ist noch kein Pferdetyp begegnet, den wir nicht satteln konnten.


Und wie sieht es mit den Fahrern aus – gibt es eine Gewichtsbeschränkung?

Der Sattel bietet ausreichend Einstellmöglichkeiten, um auch schwereren Reitern gerecht zu werden. Beispielsweise können die Kissen mit Filzverstärkung bestellt werden, oder der Sattelbaum selbst ist teilweise mit Filz verstärkt. Die Gewichtsbegrenzung hängt jedoch hauptsächlich von der Muskulatur und dem Körperbau des Pferdes ab.


In Prozent ausgedrückt: Wenn ein gut sitzender Sattel mit Holzbaum 100% Druckschutz bietet, wie viel Schutz bietet dann ein Sattel mit Lederbaum?

Da wir der Ansicht sind, dass ein gut sitzender Holzsattel keinen hundertprozentigen Schutz bieten kann, weil er sich nicht mit dem Pferd mitbewegt, bietet ein optimal auf Pferd und Reiter abgestimmter Hidalgo-Sattel deutlich besseren Druckschutz, vorausgesetzt, der Reiter reitet korrekt. Kein Sattelbaum kann einen schlecht sitzenden, schiefen oder unausgewogenen Reiter vollständig ausgleichen oder abfedern.


Woran kann ich erkennen, ob mein Ledersattelbaum meinem Pferd passt und keinen Druck verursacht?

Indem ich den Sattel von einem ausgebildeten Sattelanpasser überprüfen lasse, regelmäßig den Pferderücken (oder einen Osteopathen/Physiotherapeuten) untersuche und auf mein Pferd achte, während es sich bewegt, merke ich meist deutlich, wenn etwas nicht optimal sitzt und korrigiert werden muss.


Der Lederbaum ist zwar flexibel, muss aber trotzdem angepasst werden, richtig?

Genau, ein Sattel mit Lederbaum (und auch ein baumloser Sattel) muss wie jeder andere Sattel angepasst und überprüft werden. Dank der herausnehmbaren Sattelkissen kann der Kunde mit etwas Geschick selbst einige Anpassungen an unseren Sätteln vornehmen, was bei einem herkömmlichen Sattel mit Baum nicht möglich ist.


Wie genau wird der Sattel an das Pferd angepasst – welche Punkte oder Körperbereiche werden bei der Anpassung berücksichtigt und welche Parameter gibt es?

Bei einem Sattel mit Lederbaum sind dieselben Punkte wichtig wie bei einem traditionellen Sattel. Der Unterschied besteht darin, dass die Kammerweite nicht im herkömmlichen Sinne gemessen werden muss, da der Hidalgo-Lederbaum ohne Kopfeisen auskommt.

Zunächst müssen wir die Auflagefläche des Pferderückens bestimmen. Dazu messen wir von der Schulter des Pferdes bis zur letzten Rippe. Anschließend ermitteln wir die Breite des Wirbelkanals. Wir untersuchen sorgfältig den Rücken und die Wirbelsäule des Pferdes und achten dabei auf den Beginn und das Ende der Dornfortsätze sowie den Verlauf des langen Rückenmuskels. Dieser Muskel trägt unser Gewicht. Daher müssen die Sattelkissen hier aufliegen, ohne die Dornfortsätze einzuengen. Wir betrachten außerdem die Position des Sattelgurts. Basierend darauf und je nachdem, wie viel Platz die Schulter benötigt, bestimmen wir die Position der Sattelkissen unter dem Sattel.


Muss ich den Sattel wechseln, wenn mein Pferd zu- oder abnimmt? Sommer/Winter – Gesunde und kranke Phasen?

Nein, das ist ja gerade das Schöne an Ledersätteln. Sie passen sich an und können immer wieder an neue Gegebenheiten angepasst werden.


Was unterscheidet Hidalgo-Sättel mit Lederbaum von anderen Sätteln mit Lederbaum?

Die Qualität des Leders, die Passform, jahrelange kontinuierliche Modellverbesserung (wir sind seit 2007 auf dem Markt!), die flexiblen Einstell- und Bestellmöglichkeiten, die große Auswahl an verschiedenen Modellen und die vielfältigen Individualisierungsmöglichkeiten.


Warum haben Sie sich entschieden, Ledersättel mit Baum herzustellen?

Wegen der vielfältigen Möglichkeiten und der Option, die Sättel stufenlos anzupassen. Nicht zuletzt, um vielen, manchmal wirklich verzweifelten Reiterpaaren mit einem überzeugenden System zu helfen.


Wie stellen Sie sicher, dass Ihre Sättel keinen Druck verursachen?

Durch regelmäßige Drucktests, ständige Überprüfung der Sättel und das Einholen von Verbesserungsvorschlägen können wir die optimale Einstellung finden. Natürlich können wir hier keine konkreten Fälle behandeln, da jedes Pferd und jeder Reiter anders ist. Insbesondere der Druck sollte individuell betrachtet werden.


Da sie erst eingefahren werden müssen – was bedeutet das genau (wie lange, wie oft, wie viel), und wie fühlt sich ein „neuer Sattel“ im Vergleich zu einem eingefahrenen an?

Das Einfahren erfordert etwa 30 intensive Fahrten.

Der „neue Sattel“ wird von meinen Kunden oft als etwas distanziert und höhenhaft beschrieben. Dieses Gefühl verschwindet aber meist nach drei bis vier Ritten, und mit jedem Ritt kommt der Reiter dem Pferd näher und sitzt besser. Die Beinstellung findet sich, und der Sattel wird zu einer bequemen Sitzgelegenheit.


Ist es schwierig, es beispielsweise bei einem jungen Pferd anzuwenden?

Für Proberitte mit einem jungen Pferd verwende ich immer gut eingerittene Testsättel. Natürlich kann man aber auch einen neuen Ledersattel mit Sattelbaum verwenden. Er lässt sich bei jedem Wechsel neu anpassen. Das ist das Tolle an diesem System. Es mag etwas länger dauern, einen Sattel auf einem jungen Pferd einzureiten, aber mit diesem Sattel habe ich etwas, das ein Leben lang hält und nach Bedarf angepasst werden kann. Mit einem herkömmlichen Sattelbaum müsste man wahrscheinlich alle sechs Monate einen neuen kaufen.


An welchen Stellen kann ich Ihren Sattel an das Pferd anpassen? (Sattelbaum? Kopfeisen? Polsterung? – wie genau und was noch?)

Da unsere Sättel kein Kopfstück haben, ist das kein Problem. Der Sattelbaum passt sich automatisch an. Auch der Sattelbaum passt sich selbstständig an. Für sehr breite Pferde kann der Sattel, genauer gesagt das Formelement im Bereich der Steigbügelaufhängung, jedoch verbreitert bestellt werden. Die Sattelkissen spielen dabei eine zentrale Rolle. Sie sind in verschiedenen Längen, Formen, Stärken, Materialien/Füllungen usw. erhältlich. Selbstverständlich muss die Sitzgröße des Sattels sowohl zu Pferd als auch zu Reiter passen.


Wie lange gibt es Ihr Unternehmen schon, und wie und warum haben Sie Ihre Sättel entwickelt?

Hidalgo gibt es seit 2007 und das Unternehmen ist stetig gewachsen. Die Firma wurde aus einem einfachen Grund gegründet: …um endlich einen passenden Sattel zu finden.